Kannerhaus Tikkun

Kannerhaus Tikkun
Die Tag- und Nachteinrichtung des Centre Thérapeutique
27, Chemin Vert
L-3676 Kayl
Tel.: 560839
Fax: 560479
e-mail: kannerhaus.tikkun@kannerschlass.lu
Kontaktperson
Renate Becker (Leiterin des Centre Thérapeutique)



Personal des Kannerhaus Tikkun

Leitung:
BECKER Renate (Dipl.Psychologin, approbierte Psychotherapeutin,
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin)

Team:
THILL Peggy (Diplompädagogin)
CRUCHTEN Paul (Diplomierter Erzieher, Koordinator)
CARROLL Isabelle (Diplomierte Erzieherin)
ELOUARDI Lynn (Diplomierte Erzieherin)
MOLITOR Danielle (Sozialpädagogin)
WEBER Danielle (Erzieherin)

Haushaltshilfe:
BRITO Patricia



Konzept
Das Kannerhaus Tikkun nimmt bis zu sechs Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren auf. Die Zielgruppe sind Kinder mit emotionalen und sozialen Verhaltensauffälligkeiten, die eine intensive Begleitung und familiäre Unterstützung benötigen.
Das Team der Tag- und Nachteinrichtung setzt sich aus sieben MitarbeiterInnen zusammen: Einer Diplompädagogin, fünf ErzieherInnen und einer Haushaltshilfe. In der therapeutischen Arbeit werden sie unterstützt durch eine Diplompsychologin, Leiterin des Centre Thérapeutique, sowie durch ein Familientherapeutin und eine Sozialarbeiterin. Dieser pluridisziplinäre Ansatz wird durch eine enge Zusammenarbeit mit externen KinderpsychiaterInnen und -neurologInnen verstärkt.
Die Kinder und Familien, die von uns begleitet werden, tun dies auf freiwilliger Basis. Meistens geht der Bitte um Hilfe schon eine langjährige Leidensgeschichte voraus. Dabei entwickeln sich Verhaltensmuster, die die Problematik des Kindes und der Familie immer weiter verstärken. Die Situation der Betroffenen in der Schule, dem familiären Umfeld und der Nachbarschaft wird in der Folge immer schwieriger.

Centre thérapeutique:
Das Centre Thérapeutique der Fondation Kannerschlass setzt sich aus der Tagesstruktur “La Passerelle”, dem Kannerhaus Tikkun und den beiden heilpädagogischen Wohngruppen, Foyer Demian und Foyer Jacoby zusammen.
Die Tagesstruktur besteht seit 1991. Aus ihren Erfahrungen ist die Idee entstanden das Centre Thérapeutique um eine Tag- und Nachtstruktur zu erweitern.
Dem Centre Thérapeutique ist zudem eine Schuleinheit angegliedert.
Zwei Lehrpersonen begleiten die schulische Entwicklung der Kinder.

Ziel unserer Arbeit ist es, den Kindern und ihren Familien einen professionnellen, klaren und sicheren Rahmen zu bieten, in dem sie neue Verhaltensmuster und Hilfen kennenlernen können, um mit ihren Problemen besser umzugehen und dadurch in Streßsituationen anders, dem sozialen Umfeld gemäß, zu reagieren. Dies erfordert eine intensive, ganzheitliche Gruppen- und Einzelbetreuung. Die durchschnittliche Dauer einer therapeutischen Betreuung im Kannerhaus beträgt 11 Monate, von Mitte September bis Mitte August und ist, in etwa, nach dem Schulkalender ausgerichtet. D.h., daß die Kinder einen Großteil der Ferien, sowie die Wochenenden zuhause verbringen. Diese Aufenthalte zuhause werden in der Arbeit mit den Kindern und ihren Familien genau vorbereitet und dienen der Umsetzung des im Kannerhaus erlernten Verhaltens. Neben der therapeutischen Betreuung werden die Kinder auch schulisch begleitet, dies in einem kleinen Rahmen von Klassengruppen mit maximal sechs Kindern.

Die therapeutische Arbeit


Ziel der therapeutischen Arbeit im Kannerhaus Tikkun ist es, nach ganzheitlichen Prinzipien, zusammen mit den Kindern und ihren Eltern, ihre bisherigen Erfahrungen aufzuarbeiten. Ressourcen werden herausgeschält und hierauf werden dann neue Verhaltensmuster und Stressreduktionstechniken erarbeitet mit denen das Zusammenleben in der Familie und der Gesellschaft verbessert werden soll. Die Arbeit im Kannerhaus besteht aus gruppendynamischen Prozessen und Einzelarbeit. Die in der Einzelarbeit erarbeiteten Veränderungen werden in der Gruppe geübt und gefestigt.
Der therapeutische Alltag der Kindergruppe ist stark strukturiert, das ganze Jahr über gleich und somit für die Kinder überschaubar und verständlich. Die Diplompädagogin bildet den konstanten Angelpunkt der Woche im Kannerhaus. Jedes Kind hat einen ReferenzerzieherIn, der spezieller Ansprechpartner für es selbst und seine Familie ist. Der/die ReferenzerzieherIn ist zudem an einem festgelegten Tag der Woche präsent. An diesem Tag werden eine bestimmte Gruppenaktivität sowie ein Einzelatelier angeboten. Das Thema der Gruppenaktivität entspricht den individuellen Fähigkeiten und Weiterbildungen der jeweiligen ErzieherInnen.

Der therapeutische Ansatz
Die therapeutische Ausrichtung entspringt einem multimodalen Ansatz, d.h. unterschiedliche therapeutische Hilfsmittel werden angewandt und der jeweiligen Situation des Kindes und seiner Familie angepaßt. Grundlage ist die Verhaltenstherapie, die durch Instrumente aus unterschiedlichen therapeutischen Richtungen, wie z. Bsp. der systemischen Psychotherapie und der Familientherapie, der Gestalttherapie, der Positiven Psychotherapie, der Psychomotorik etc. unterstützt werden.

Familientherapie:
Nachhaltige Veränderungen bei einem Kind können nur erreicht werden, wenn das Herkunftssystem sich verändert. Aus diesem Grund werden die Eltern durch eine intensive familientherapeutische Begleitung in den Veränderungsprozeß mit eingebunden. Diese therapeutische Hilfe wird durch eine systemisch ausgebildete Familientherapeutin und eine Sozialarbeiterin gewährleistet. Die Arbeit beinhaltet regelmäßige Sitzungen, Trainingseinheiten, Videosupervisionen und Hausbesuche.

Therapeutische Vorgehensweise
Ausgehend von der Annahme, daß jedes Kind und seine Familie Ressourcen besitzt, um zu lernen mit ihren Problemen effizienter umzugehen, resp. sie zu überwinden, besteht die Arbeit im Kannerhaus Tikkun zuerst darin, eine genaue Analyse des Ist-Zustandes zu erstellen und die erkannten Probleme klar darzulegen. Die Arbeit ist in drei Phasen unterteilt: Beobachtungsphase, Aufnahme und Festlegen der therapeutischen Ziele, Erarbeiten einer Zukunftsperspektive und Konsolidierung der erreichten Ziele. Im folgenden werden die einzelnen Phasen kurz erläutert.

Beobachtungsphase:

Im Vorfeld der Beobachtungsphase finden Gespräche mit den Eltern des Kindes statt. Hier werden erste Informationen zu den bestehenden Schwierigkeiten gesammelt und die Motivation und die Erwartungen der Eltern abgeklärt, sowie die Vorgehensweise und Möglichkeiten des Kannerhaus Tikkun erläutert. Eventuelle frühere therapeutische und medizinische Erfahrungen werden in die Anamneseerstellung mit einbezogen. Sind die Eltern an einer Zusammenarbeit interessiert, wird anhand einer Warteliste, eine Beobachtungsphase eingeleitet.
Die Beobachtungsphase läuft über eine Woche, von montags bis freitags. Während dieser Zeit ist das Kind tagsüber im Centre thérapeutique, wo es, sowohl von den ErzieherInnen der Tagesstruktur “La Passerelle”, vom Kannerhaus Tikkun und dem Schulpersonal beobachtet wird. Während der Woche ist ein/e ErzieherIn des Kannerhaus speziell für das Kind zuständig. Der Tagesablauf sieht morgens den Aufenthalt in der Tagesstruktur und Schule vor, nachmittags nimmt das Kind dann an Einzel- und Gruppenaktivitäten des Kannerhaus Tikkun teil.
Die Beobachtungsphase ist so aufgeteilt, daß alle betroffene Professionnellen mit dem Kind gearbeitet haben und einen Bericht erstellen können. Zusätzlich finden ein Haus- und ein Schulbesuch statt. Am Ende der Beobachtungswoche werden diese Berichte in der Teamversammlung zusammengetragen und ausgewertet. Danach fällt die Entscheidung, ob das Kannerhaus eine geeignete Hilfestellung anbieten kann. Der/die ReferenzerzieherIn erstellt hieraus einen zsammenfassenden Bericht, der den Eltern und dem Kind in einem Abschlußgespräch mitgeteilt wird. Anhand dieses Berichtes entscheiden die Eltern, ob sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen können.

Aufnahme und Arbeit an therapeutischen Zielen:
Die Therapie beginnt im September. Anfangs wird mit dem Kind und seiner Familie am Bewußtsein für die Probleme gearbeitet, da oft nur diffuse Kenntnisse über die jeweilige Problematik vorhanden sind. Auch werden die Schwierigkeiten vom Kind und der Familie oft anders wahrgenommen als von der Umwelt. Das Aufzeigen klarer Zusammenhänge ermöglicht es die Motivation der Betroffenen zu erhöhen, um Veränderungen anzustreben.

Beispiel individuelles Hausaufgabentraining:

Eine typische Streßsituation in der Familie ist die tägliche Hausaufgabensituation. Meistens ist sie stark krisenbehaftet. Im Kannerhaus Tikkun wird zusammen mit dem Kind ein individueller Hausaufgabenplan erstellt: Die Hausaufgaben werden in überschaubare Einheiten strukturiert und das Kind zu einem selbstständigen Arbeiten herangeführt. Mit Hilfe dieses Plans kann die nötige Autonomie entwickelt werden, und die Hausaufgabenangst wird reduziert. Die Eltern werden in die Trainingseinheiten mit einbezogen, zum Teil mit Hilfe von Videosupervision. Häufig wird hierdurch eine rasche Entspannung des familiären Klimas im Alltag erreicht.

Anhand der Erkenntnisse aus der Beobachtungsphase und weiterer Beobachtungen werden individuelle Zielsetzungen aufgestellt, die alle sechs Wochen kontrolliert und der Entwicklung angepasst werden. Die Ziele werden durch den/die ReferenzerzieherIn im individuellen Atelier, zusammen mit dem Kind, in Verhaltenspläne und Trainingseinheiten umgesetzt. Im Gegensatz zu den Gruppenateliers soll das Einzelatelier dem Kind die Möglichkeit bieten, in einem sicheren Rahmen über seine Probleme und Ängste zu reden, ohne daß die ganze Kindergruppe es weiß. Die Gruppenateliers und -versammlungen fördern durch gruppendynamische Prozesse die sozialen, emotionalen, psychomotorischen sowie die kognitiven Fähigkeiten der Kinder. Der Einfluß der Peergruppe unterstützt Veränderungsprozesse innerhalb der Gruppe und bei den einzelnen Kindern. Zudem werden spezifische Trainingseinheiten eingesetzt, z. B. in den Bereichen Graphomotorik, desweiteren Übungen zur auditiven Wahrnehmung, Sprach- und Aufmerksamkeitstrainings.

Zwischen Weihnachten und Ostern beginnt die Orientierungsphase. In dieser Zeit wird, anhand der gemachten Fortschritte, zusammen mit den Eltern und dem Kind die Zeit nach dem ersten Jahr im Kannerhaus erarbeitet. Hier bestehen mehrere Möglichkeiten. Die Fragestellung für die Eltern ist, ob sie sich eine Rückkehr des Kindes in den Familienalltag vorstellen können oder ob weitere Hilfestellungen nötig sind. Die Hilfestellungen sind an der Problematik ausgerichtet. Besteht die Notwendigkeit einer Verlängerung der therapeutischen Arbeit im Kannerhaus Tikkun oder in der Tagesstruktur “La Passerelle”? Ist eine therapeutische Struktur im Ausland nötig? Braucht das Kind und seine Familie eine weitere, nichttherapeutische Hilfestellung, z. Bsp. ein vorübergehender Aufenthalt in einer Heimgruppe? Oder ist ein Internat sinnvoll, für eine gezieltere schulische Betreuung? Die Entscheidung liegt in den Händen der Eltern.
Die Familientherapeutin, die Sozialarbeiterin und das Erzieherteam unterstützen die Familie während und nach der Entscheidungsfindung und ihrer Umsetzung.
Nach den Osterferien beginnt in der Regel die Loslösungsphase. Jetzt werden die erlernten Fähigkeiten gefestigt und verfeinert. Das Kind und die Familie werden auf die Zeit nach dem Kannerhaus vorbereitet. Besteht seitens der Eltern der Wunsch auf Nachbetreuung wird sie von der Einrichtung gewährleistet. Auch wenn diese Hilfestellung zunächst nicht gewünscht ist, steht das Team des Kannerhaus Tikkun der Familie bei anfallenden Fragen und Schwierigkeiten zur Verfügung.