Foyer Demian

Heilpädagogische Wohngruppe des Centre Thérapeutique

33, route de Luxembourg

L-4220 Esch-Sur-Alzette

Tél.:54.09.44
Fax: 53.12.13
e-mail: foyer.demian@kannerschlass.lu

Kontaktperson:
Renate Becker (Leiterin des Centre Thérapeutique)     




Personal der Heilpädagogischen Wohngruppe Foyer Demian

Leitung:
BECKER Renate (Diplompsychologin, approbierte Psychotherapeutin, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin)

Familientherapeutinnen:
LAMBERT Denise (Diplompsychologin)
LE MARCHAND Valérie (Diplomsozialarbeiterin)

Team:
OBERWEIS Nathalie (Heilpädagogin)
BINGEN-LOOSE Corinne (Diplomierte Erzieherin, Koordinatorin)
FUHRMANN Anja (Diplomierte Erzieherin)
HERMES Michel (Sozialpädagoge)
KAUFMANN Carole (Sozialpädagogin)
PYKA Justine (Diplomierte Erzieherin)
VAN WISSEN Luc (Diplomierter Erzieher)

Haushaltshilfe:
MOREAUX Dominique



Einleitung
Das Foyer Demian, eine ehemals klassische Heimgruppe der Fondation Kannerschlass wurde im Jahr 2005 in eine heilpädagogische Wohngruppe für acht Kinder und Jugendliche umstrukturiert und gleichzeitig dem Centre Thérapeutique angegliedert.
In den vorangegangenen Jahren wurden im Foyer Demian neben den traditionellen, zum grössten Teil gerichtlichen Heimeinweisungen bereits vereinzelt Kinder aus den beiden Intensivgruppen des Centre Thérapeutique aufgenommen. Trotz der ein- bis zweijährigen erfolgreichen Behandlung in der Tagesstruktur La Passerelle und dem Kannerhaus Tikkun erwies sich in manchen Fällen eine Rückführung in das häusliche Umfeld als verfrüht: Insbesondere die Familien benötigten mehr Zeit, um sich auf die Bedürfnisse ihres Kindes und die anstehende Wiedereingliederung in die öffentliche Schule einstellen zu können.



Zielgruppe
Was zunächst als Ausnahme begonnen hatte, wurde dann ab September 2005 zur Regel: Das Foyer Demian fungiert seit dieser Zeit als eine sogenannte Übergangseinrichtung des Centre Thérapeutique. Die dort vorhandenen acht Plätze werden ausschliesslich mit Kindern belegt, die ihre Therapie in der La Passerelle oder im Kannerhaus Tikkun abgeschlossen haben.
Die Elternarbeit ist nach wie vor ein zentraler Arbeitsschwerpunkt, da die Rückführung der aufgenommenen Kinder und Jugendlichen in ihre Familien zwar verschoben wurde, aber nach wie vor angestrebt wird.
Die Unterbringung erfolgt, wie auch in den drei anderen Strukturen des Centre Thérapeutique auf freiwilliger Basis. Die Kinder bzw. Jugendlichen im Alter von ca. sechs bis vierzehn Jahren sind von Sonntag- bis Freitagabend in der Einrichtung untergebracht. Die Wochenenden und einen Grossteil der Schulferien verbringen sie zu Hause.

Das Team
Im Foyer Demian selbst arbeiten insgesamt sechs ErzieherInnen (fünf Planstellen), eine Heilpädagogin (ganztags) und eine Haushaltshilfe. Das Team wird zudem unterstützt durch die beiden Familienberaterinnen, die für alle vier therapeutischen Gruppen zuständig sind. In enger Zusammenarbeit mit der Leiterin des Centre Thérapeutique trägt vor allem die Heilpädagogin Verantwortung für die Umsetzung der erzieherisch-therapeutischen Ziele vor Ort. Sie fungiert sozusagen als der "verlängerte Arm" der leitenden Diplompsychologin und ermöglicht es ihr, ein vollständigeres Bild über das Verhalten der einzelnen Kinder im Alltag zu erhalten. Im Haus selbst wird die Heilpädagogin insbesondere durch die Arbeit des sogenannten Koordinateurs unterstützt. Neben seinen Verwaltungsaufgaben gestaltet er den erzieherischen Alltag massgeblich mit.

Ziele
Ein enger innerinstitutioneller Austausch zwischen dem erzieherischen Personal des Foyer Demian und den beiden Intensivgruppen ermöglicht ein hohes Mass an Kontinuität der geleisteten pädagogisch-therapeutischen Arbeit: Wechselt ein Kind von der Tagesstruktur La Passerelle oder dem Kannerhaus Tikkun in das Foyer Demian gilt es die bereits erzielten Therapieerfolge zu stabilisieren und zu vertiefen, weiterhin bestehende Schwierigkeiten werden aufgegriffen und daran gearbeitet.
Nachdem die Kinder das sehr beschützende Umfeld der Intensivgruppen und der Schule des Centre Thérapeutique verlassen haben, müssen sie nun deutlich selbständiger die Integration in ihr neues Umfeld bewältigen: Es gilt Schwierigkeiten im Freundeskreis, Probleme auf dem Schulweg bzw. in der Klassengemeinschaft zunächst ganz eigenständig zu bewältigen. Der/die (Referenz)ErzieherIn kann nun, beispielsweise bei der Bewältigung sozialer Konflikte, keine direkte Hilfe mehr bieten, sondern wirkt vielmehr unterstützend im Hintergrund.
Was jedoch unverändert bleibt, sind die Grundprinzipien der Arbeit im gesamten Centre Thérapeutique: Der stabilisierende Rahmen des Foyers mit seinem klaren Regelwerk und die wohlwollende einfühlsame Haltung des Personals.

Schule
Der Übergang vom geschützten Rahmen der Schulklasse des Centre Thérapeutique in den weitaus weniger strukturierten Alltag der Regelschule löst bei den Kindern und Jugendlichen häufig Unsicherheit und Ängstlichkeit aus.
Hier setzt schwerpunktmässig die Arbeit der Heilpädagogin an. Ein regelmässiger informativer Kontakt zu den Lehrpersonen hat sich für beide Seiten als hilfreich erwiesen: Die Lehrkräfte erhalten einerseits detaillierte Informationen über die bestehende schulische Problematik der einzelnen Kinder. Auf der anderen Seite kann sich die Heilpädagogin ein genaueres Bild über das Verhalten des Kindes im schulischen Alltag und seinen dort gezeigten Lern- und Leistungsproblemen machen.
Wichtige Entscheidungen wie z. B. der zeitweilige Wechsel in eine „Classe d’appuie“ oder die Einführung eines „Programme adapté“ werden zusammen mit dem Lehrpersonal getroffen.

Häufig stellt die Durchführung der Hausaufgaben trotz der vorangegangenen intensivtherapeutischen Massnahme weiterhin ein grosses Problem für die Kinder dar. Schlechte Vorerfahrungen in der Regelschule, Lern- und Leistungsprobleme, Aufmerksamkeitsschwächen, impulsives und unruhiges Verhalten erschweren es den Kindern bzw. Jugendlichen nach wie vor ihre Hausaufgaben konzentriert und motiviert zu erledigen.
Sie werden durch häufige Fehler schneller frustriert und ihnen steht weniger Freizeit zur Verfügung. Obschon sie in der Intensivgruppe gelernt haben, wie Hausaufgaben auch mit ihren ganz persönlichen Schwierigkeiten zu bewältigen sind, blüht das „alte“ Problemverhalten im neuen und ungewohnten Umfeld nicht selten wieder auf.
Die Bewältigung der Hausaufgabensituation stellt somit den zentralen Arbeitsschwerpunkt am Nachmittag dar. Regeln, Verstärkerpläne und To-Do-Listen, die bereits im Kannerhaus Tikkun bzw. in der La Passerelle unterstützend wirkten, werden aktualisiert bzw. der neuen Situation angepasst. Mit diesen Hilfen sollen die Aufgaben überschaubar strukturiert werden und das Kind zu einem selbstständigeren Arbeiten hingeführt werden.
Die Eltern werden auch im schulischen Bereich mit einbezogen: Sie betreuen am Wochenende die Hausaufgaben ihres Kindes und erhalten zudem regelmässig Informationen über den Leistungsstand und das gesamte schulische Verhalten ihres Kindes.

Der Alltag
Die ErzieherInnen im Foyer Demian arbeiten von Sonntag- bis Freitagabend rund um die Uhr im Schichtsystem. Um eine intensive Betreuung in der Kernzeit am Nachmittag zu gewährleisten, sind in der Regel zwei ErieherInnen und die Heilpädagogin präsent.
Da die äusseren Einflüsse viel Unruhe ins Haus bringen und oft schwer kontrollierbar sind, achtet das Personal auf eine möglichst gleich bleibende Alltagsstruktur und einen ruhigen Tagesablauf. Die unterschiedlichen Schulstunden und die damit verbundenen variablen Essens- und Hausaufgabenzeiten gilt es sorgfältig und detailliert zu planen. In diesem Zusammenhang haben sich die klare organisatorische und inhaltliche Arbeitsaufteilung im Team und die festen Arbeitszeiten der Heilpädagogin bewährt. Als eine regelmässig präsente Bezugsperson bietet sie dem Kind bzw. Jugendlichen sehr viel Konstanz im Alltag an. Jedes Kind weiss genau, in welchen Situationen bzw. bei welchen Fragen es sich an wen wenden kann.
Neben dieser strukturellen und personellen Klarheit tragen immer wiederkehrende Rituale und Feste zum Gefühl der Geborgenheit, Sicherheit und Verlässlichkeit der Kinder bei.

Die individuelle Arbeit mit dem Kind/Jugendlichen
Die individuelle Arbeit mit dem Kind/Jugendlichen findet vor allem in der sogenannten gemeinsamen wöchentlichen Stunde statt und soll insbesondere den Aufbau einer professionellen Beziehung fördern.
Die bereits erzielten Therapieschritte werden erneut benannt und die darauf aufbauende weitere Arbeit in einzelnen Schritten gemeinsam geplant. Aufgrund der offeneren Struktur spielt das Thema der nun verstärkten Aussenkontakte eine erheblich grössere Rolle.
Der/die Bezugserzieher/in betreut das Kind sehr intensiv auf dem Weg in die zunehmende Selbständigkeit und versucht ihm soviel wie notwendig und so wenig wie möglich Hilfestellung anzubieten. Dabei gilt es insbesondere die emotionale Befindlichkeit des Kindes/Jugendlichen zu erfassen und lenkend bzw. beratend einzuwirken.

Spezielle Interventionen
Die spezifische Qualifikation und die tägliche Präsenz der Heilpädagogin ermöglichen es bei Bedarf, einzelne Kinder in bestimmten Bereichen sehr speziell zu fördern. Es können Therapieinhalte aus der intensivtherapeutischen Arbeit zielgerichtet vertieft oder weiterführende Angebote für das einzelne Kind bzw. die Gruppe initiiert werden. Je nach Förderbedarf bietet die Heilpädagogin beispielsweise motorische Trainings, Konzentrations- oder Sprachateliers an. Zudem können ihrerseits auch gruppendynamische Prozesse in der tagtäglichen Arbeit besser erfasst und reguliert werden.

Familien und Elternarbeit
Die Elternarbeit ist ein weiterer wichtiger Bestandteil der Arbeit und wird von den FamilientherapeutInnen gewährleistet. Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie des Kindes und eine Verbesserung der Eltern-Kind-Beziehung ist die Bereitschaft seitens der Familien sich in den therapeutischen Ablauf aktiv mit einzubringen.
In regelmässigen Abständen wird die Entwicklung der Kinder und ihrer Familien festgehalten, Ziele und Interventionen in Absprache mit den Eltern angepasst bzw. neu definiert. Die Umsetzung ganz alltäglicher Fertigkeiten wird genau geplant und geübt, um somit den Eltern sehr konkrete Hilfestellung und Entlastung für den Alltag anzubieten.
Das Kind wird je nach Problematik und Alter unterschiedlich stark in die Elternarbeit integriert: Wesentliche Themen, geplante Interventionen und Entscheidungen werden ihm in einer kindgerechten Sprache mitgeteilt. Gleichzeitig hat es die Möglichkeit seine Anliegen, Fragen und Wünsche mit Hilfe seiner BezugserzieherIn einzubringen.
Die Kooperation der Eltern mit den Beraterinnen und dem Erzieherteam ist umso wichtiger, da die Rückführung in die Familie nach wie vor oberstes Ziel der erzieherisch-therapeutischen Arbeit bleibt.
Gegen Ende des Aufenthalts wird mit den Eltern zusammen eine Zukunftsperspektive erstellt. Die endgültige Entscheidung, ob ein Kind bzw. der/die Jugendliche in die Herkunftsfamilie zurückkehrt oder eine weiterführende adäquate Einrichtung sinnvoll wäre, wird sorgfältig mit den Eltern besprochen und entschieden.