Foyer Jacoby

Heilpädagogische Wohngruppe des Centre Thérapeutique
9, rue Roosevelt
L-4662 Differdange
Tel. : 583276
Fax : 580792
e-mail : foyer.jacoby@kannerschlass.lu
Kontaktperson

Renate Becker (Leiterin des Centre Thérapeutique)



Personal der Heilpädagogischen Wohngruppe Foyer Jacoby

Leitung:
BECKER Renate (Diplompsychologin, approbierte Psychotherapeutin, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin)

Familientherapeutinnen:
LAMBERT Denise (Diplompsychologin)
LE MARCHAND Valérie (Diplomsozialarbeiterin)

Team:
WAGNER Nadine (Diplompädagogin)
BICHLER Jessica (diplomierte Erzieherin
BODENRÖDER Eva (Heilpädagogin)

BURG Caroline (diplomierte Erzieherin)

KLEMAN-MICHELINI Nadia (diplomierte Erzieherin)

KRINGS-DEISTER Fabienne (Diplomierte Erzieherin)
REIS ANKE (Diplom-Pädagogin)
VAZ GOMES Gil (Sozialpädagoge)


Haushaltshilfe:
LERSCH-HOEFLIGER Pierrette


Einleitung
Im September 2008 konnte das Foyer Jacoby von einer ehemals klassischen Heimgruppe in eine heilpädagogische Wohngruppe für sogenannte verhaltensauffällige Kinder umstrukturiert werden.
In den vorangegangenen Jahren wurden in diesem Haus hauptsächlich Kinder betreut, die aufgrund eines Jugendgerichtsbeschlusses nicht mehr in ihren Familien bleiben konnten. Diese Praxis änderte sich dann zunehmend: Es wurden nun vermehrt Kinder aufgenommen, deren Intensivtherapie im Centre Thérapeutique der Fondation Kannerschlass nach etwa einem Jahr abgeschlossen werden konnte, aber eine Rückkehr ins familiäre Umfeld verfrüht gewesen wäre. Häufig benötigen die Familien mehr Zeit, um sich auf die Bedürfnisse ihres Kindes und die anstehende Reintegration in die öffentliche Schule einstellen zu können.
Da der Bedarf an Nachsorgeplätzen stetig anstieg, wurde das Foyer Jacoby, wie bereits zuvor das Foyer Demian (im Jahr 2005) als sogenannte Übergangseinrichtung des Centre Thérapeutique konzipiert. In dieser heilpädagogischen Tag- und Nachtgruppe können die bereits im Intensivbereich erzielten Therapieeffekte stabilisiert werden. Zudem wird die Integration in die öffentliche Schule gefördert und die Elternarbeit, mit dem Ziel der Rückkehr der Kinder in die Familie fortgeführt.

Geographische Lage und Beschreibung des Hauses
Das Foyer Jacoby befindet sich im Zentrum der Gemeinde Differdange. Die Grundschulen, sowie die öffentlichen Einrichtungen, Spielplätze und Naherholungsgebiete sind leicht zugänglich. Zudem verfügt der Ort über gute Zug- und Busverbindungen.
Das Haus bietet individuelle Schlafräume für acht Kinder, drei Badezimmer und Toiletten, ein grosses Wohn- und Esszimmer, ein Spielzimmer, eine Küche und ein Büro, das auch von den ErzieherInnen als Schlafraum genutzt wird. Der große Garten kommt dem Bewegungsdrang der Kinder entgegen und bietet viel Raum für Freizeitaktivitäten ausserhalb des Hauses (Klettergerüst, Basketballkorb, kleines Fussballfeld, Schaukeln).

Die Kindergruppe
Im Foyer Jacoby können maximal acht Jungen und Mädchen im Alter von sechs bis dreizehn Jahren aufgenommen werden. Wie bereits eingangs erwähnt, werden hier in der Regel Kinder betreut, deren Therapie in den Intensivgruppen abgeschlossen werden konnte, deren Familien aber noch eine längere Nachbetreuung und Unterstützung wünschen. Die Kinder verbringen die Wochenenden und Ferien zu Hause, wenn sich die Eltern in der Lage fühlen, sie adäquat zu betreuen.

Das Foyer Jacoby betreut Kinder, die in der Tagesstruktur La Passerelle oder im Kannerhaus Tikkun wegen psychischer Probleme bzw. massiven Verhaltensauffälligkeiten (ADS, ADHS, oppositionelles Verhalten, Sozialstörungen, Aggressivität, schulische Probleme, Schulunlust, emotionale Probleme, Entwicklungsverzögerungen…) therapiert wurden. Die Ursachen dieser Störungen sind in der Regel vielfältig und komplex. Daher gilt es sowohl im Intensiv- als auch im Nachsorgebereich multimethodal und multidisziplinär vorzugehen. Die Problembereiche der einzelnen Kinder werden sowohl individuell als auch in kleineren Gruppen mit den verschiedensten erzieherischen und therapeutischen Methoden angegangen.

Das Team
Im Foyer Jacoby arbeiten insgesamt sechs ErzieherInnen bzw. SozialpädagogInnen (fünf Planstellen), eine Heilpädagogin (30 Std.) und eine Haushaltshilfe.
In enger Zusammenarbeit mit der Leiterin des Centre Thérapeutique trägt vor allem die Heilpädagogin Verantwortung für die Umsetzung der erzieherisch-therapeutischen Ziele vor Ort. Sie fungiert sozusagen als der „verlängerte Arm“ der leitenden Diplompsychologin und ermöglicht es ihr so, ein vollständigeres Bild über das Verhalten der einzelnen Kinder im Alltag zu erhalten.
Im Haus selbst wird die Heilpädagogin insbesondere durch die Arbeit der sogenannten Koordinatorin unterstützt, einer Sozialpädagogin, die vorwiegend organisatorische und verwaltende Aufgaben übernimmt.
Die ErzieherInnen und SozialpädagogInnen arbeiten im Schichtsystem; die Heilpädagogin hingegen ist täglich präsent, was den Kindern eine grosse Konstanz bietet. Diese regelmässige Präsenz ermöglicht ihr einen guten Überblick über die Entwicklung und den Förderbedarf der einzelnen Kinder. In Absprache mit den BezugserzieherInnen werden Förderschwerpunkte und Unterstützungsmassnahmen definiert. Die Heilpädagogin behält die Abläufe im Alltag und in der Arbeit mit den Kindern im Blick und schaut, ob sie tatsächlich auf deren Bedürfnisse abgestimmt sind.
Die wöchentlichen Teamsitzungen, die regelmässigen, häufig detaillierten Absprachen zwischen den MitarbeiterInnen und das schriftliche Festhalten der wesentlichsten Informationen in einem Logbuch helfen eine grösstmögliche Einheitlichkeit im erzieherischen Handeln zu gewährleisten. Da die Kinder in der Wohngruppe, bedingt durch die Schichtarbeit, von wechselnden Bezugspersonen betreut werden, sind verbindliche Vereinbarungen unerlässlich.
In der therapeutischen Arbeit wird das Gesamtteam durch die regelmässige Präsenz und Beratung der leitenden Diplompsychologin unterstützt.

Die Ziele in der Arbeit mit den Kindern
Nachdem die Kinder das beschützende Umfeld der Intensivgruppen und der Schule des Centre Thérapeutique verlassen haben, müssen sie nun deutlich selbständiger die Integration, insbesondere in das neue schulische Umfeld bewältigen.
Ein regelmässiger Austausch zwischen dem erzieherischen Personal des Foyer Jacoby und den beiden Intensivgruppen ist gerade in der ersten Phase der Aufnahme sehr hilfreich: Die begonnene Arbeit kann in einem neuen Kontext kontinuierlich fortgeführt werden. Bereits erzielte Therapieerfolge gilt es zu stabilisieren und zu vertiefen bzw. den neuen Umweltanforderungen anzupassen. Weiterhin bestehende Schwierigkeiten werden aufgegriffen und bearbeitet. Strukturen und Regeln, die die Kinder bereits aus der Tagesstruktur La Passerelle oder dem Kannerhaus Tikkun kennen, haben Fortbestand: Diese Kontinuität gibt ihnen Sicherheit und Orientierung.
Eine gezielte ganzheitliche Förderung soll ihnen auch zukünftig helfen Entwicklungsdefizite bzw. –verzögerungen aufzuarbeiten und neue Verhaltensweisen einzuüben. Jedes Kind erhält eine differenzierte individualisierte Förderung entsprechend seiner Ressourcen. Zu der ganzheitlichen Förderung gehören u.a. die Schulung der Konzentration und der Ausdauer, die Hinführung zu mehr Autonomie, die Förderung der Motorik, der Sprache, des Selbstvertrauens, des Sozialverhaltens, sowie der emotionalen und kognitiven Fähigkeiten.
Dies geschieht zunächst im Rahmen der klar strukturierten Wohngruppe; im Anschluss kann das Gelernte auch ausserhalb des Foyers, sei es auf dem Schulweg, in der Schule selbst und auch der Familie neu erprobt werden.

Familien- und Elternarbeit
Die beiden Familientherapeutinnen, die bereits die Eltern aus den Intensivgruppen kennen, bemühen sich auch im Nachsorgebereich um eine Stärkung der elterlichen Kompetenzen und eine weitere Verbesserung der Eltern-Kind-Beziehung, mit dem Ziel der Rückkehr in die Familie. In regelmässigen Gesprächen werden anstehende Probleme besprochen, Erwartungen und Verantwortlichkeiten abgestimmt,und die Dauer des weiteren Aufenthaltes in der Wohngruppe festgelegt.
Die BezugserzieherInnen und die Kinder werden in die Familienarbeit mit einbezogen, um so eine optimale Betreuung zu gewährleisten. Die Kinder werden, abhängig von ihrem Alter und ihrer sozial-emotionalen und kognitiven Entwicklung, über Vereinbarungen, die mit den Eltern getroffen wurden, informiert. Ist eine Rückkehr des Kindes in die Familie nicht möglich, wird zusammen mit den Eltern eine adäquate Einrichtung gesucht, in der das Kind weiterhin, seinen Bedürfnissen entsprechend, betreut werden kann.

Der/die ReferenzerzieherIn
Jedes Kind im Foyer Jacoby hat eine feste Referenzperson, die sich als Hauptbezugsperson und AnsprechpartnerIn um eine professionelle Beziehung bemüht. Diese unterstützende, wohlwollende Haltung vermitteln Vertrauen und Sicherheit und helfen dem Kind, sich in seinem neuen Umfeld einzugewöhnen und weiterzuentwickeln.
Die Referenzperson hat die Entwicklung und das emotionale Befinden des Kindes stets im Blick. Sie erstellt einen Erziehungsplan und achtet auf die Umsetzung der Erziehungsziele und der darin enthaltenen Förderschwerpunkte. Fortschritte und Probleme werden mit dem Kind besprochen und die weitere Arbeit darauf aufgebaut.

Die pädagogische Arbeit im Alltag
Der Tagesablauf im Foyer Jacoby ist für die Kinder klar strukturiert: Es bestehen feste Hausaufgaben-, Spiel- und Fernsehzeiten, sowie Ruhephasen, in denen sich die Kinder in ihre Zimmer zurückziehen und alleine beschäftigen. Zum festen Bestandteil des Alltags gehören auch verschiedene Rituale, wie z.B. Abschieds- und Willkommensrituale, Geburtstags- und Weihnachtsfeiern.
Die gleichbleibende Alltagsstruktur mit den klaren Regeln bieten den Kindern Struktur, Orientierung und damit sehr viel Sicherheit. Sie wissen sehr genau, welche Verhaltensweisen in bestimmten Situationen von ihnen erwartet werden und welche Regeln sie zu respektieren haben, sei es in der Hausaufgabensituation oder beim Fußballspielen. Endlose Diskussionen mit dem erzieherischen Personal können somit vermieden werden. Das Augenmerk wird darauf gerichtet, welche Hilfe jedes Kind benötigt, um sich selbst besser Grenzen setzen zu können und das eigene Verhalten besser zu regulieren.

Wie in den intensivtherapeutischen Gruppen wird auch im Foyer Jacoby mit verhaltenstherapeutischen Elementen und einem Warnungssystem gearbeitet. Warnungen und Konsequenzen liefern dem Kind ein unmittelbares Feedback über sein Verhalten. Folgt auf ein Fehlverhalten eine negative bzw. auf gewünschtes Verhalten eine positive Konsequenz, besteht der Anreiz mehr von dem gewünschten Verhalten zu zeigen. Das Kind lernt Eingefordertes zunächst mit Unterstützung, später dann ohne Hilfe zu erledigen. Konsequenzen und Warnungen stellen eine äußere Kontrolle und Hilfe zur Selbststeuerung dar; sie helfen neues Verhalten einzuüben, da „ein Lernen über Einsicht“ für diese Kinder oft nur schwer möglich ist.
Desweiteren helfen Verhaltens- und Verstärkerpläne neues Verhalten systematisch einzuüben. Situationen werden strukturiert und als weniger belastend erlebt.
Grundlage für die Wirksamkeit des Warnungs- und Konsequenzensystems bzw. der Verhaltens- und Verstärkerpläne ist die empathisch annehmende Haltung der BetreuerInnen gegenüber dem Kind, sprich eine stabile professionelle Beziehung.

Die Gruppe
Die Gruppe wird als sozialer Erfahrungs- und Lernraum aktiv genutzt. Regelmässig finden gemeinsame Aktivitäten statt. In der Gruppe erwerben die Kinder Kenntnisse und Fertigkeiten im Umgang mit sich selbst (Eigenverantwortung, Selbstwirksamkeit etc.) und mit anderen (Perspektivenübernahme, Kritik- und Kommunikationsfähigkeit, Rücksichtnahme etc.). In den wöchentlichen Kinderversammlungen lernen sie zudem Wünsche und Meinungen zu äussern.

Die Schule
Der schulischen Wiedereingliederung der Kinder kommt eine besondere Bedeutung zu: Diesem Bereich widmet sich schwerpunktmässig die Heilpädagogin.
Bei der Aufnahme der Kinder im Centre Thérapeutique haben die meisten Kinder eine sehr negative Einstellung zur Schule: Häufige Misserfolgserlebnisse hinsichtlich ihrer Leistungen, Lernschwierigkeiten, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsdefizite, problematischer Kontakt zu den MitschülerInnen und zu den Lehrkräften haben in der Regel zu Schulunlust und/oder Schulversagen geführt: Daher gilt es zunächst wieder Motivation für schulische Inhalte aufzubauen.
Der Übergang vom geschützten Rahmen der Schulklasse des Centre Thérapeutique in den weitaus weniger strukturierten Rahmen der öffentlichen Schule löst bei den Kindern häufig Unsicherheit und „alte“ Ängste aus. Sie müssen sich an neue Lehrkräfte, einen weitaus grösseren Klassenverband und ihnen unbekannte Kinder gewöhnen, was eine große Herausforderung für sie darstellt.
Um die Integration der Kinder wirksam und unterstützend begleiten zu können, hält die Heilpädagogin einen engen Kontakt zum Lehrpersonal. Sie bietet den zuständigen Lehrkräften, Informationen über die Problematik des Kindes und des damit einhergehenden Verhaltens an, sowie Möglichkeiten der Hilfestellung und Aufklärung über Lernschwächen. Treten Schwierigkeiten im Unterricht oder Konflikte mit anderen SchülerInnen auf, bemüht sie sich um gemeinsame Massnahmen der Bewältigung.

Die Hausaufgaben
In der Wohngruppe bestehen feste Hausaufgabenzeiten, in denen die Kinder lernen sich regelmässig für die Schule vorzubereiten und autonom ihre Hausaufgaben zu machen. Mitunter werden diese als lästige Pflicht erlebt. Aufmerksamkeitsprobleme, eine impulsive und oberflächliche Arbeitsweise, sowie Lernschwächen sind Schwierigkeiten mit denen die Kinder zu kämpfen haben. Unter Anleitung der Heilpädagogin und des erzieherischen Personals erlernen sie Strategien, um die Hausaufgabensituation besser zu strukturieren und zu bewältigen, um selbständiger arbeiten zu können.